Botswana | Zambia | Zimbabwe 2024
Reisebericht Botswana, Zambia und Zimbabwe 2024 | 16. August bis 15. Oktober 2024
Lion Relocation
Modisa Wildlife Project, Kgalagadi District, Botswana
Ein schwieriges Kapitel…
Ich tue mich ziemlich schwer mit diesem Blogpost und habe ihn lange vor mir hergeschoben… Deshalb bin ich mit der Berichterstattung auch immer noch nicht fertig, obwohl ich schon seit einiger Zeit wieder Zuhause bin.
Die Zeit, die ich auf Modisa verbracht habe war sehr intensiv und hat mich in vielerlei Hinsicht extrem zum Nachdenken gebracht. Die ganze Erfahrung hat sehr viel mit mir gemacht und mich innerlich sehr bewegt und berührt. Es ist nur schwer in Worte zu fassen, ich denke, so etwas muss man selber erleben.
Ein schwieriges Kapitel war das Einfangen und Umplatzieren von wilden Löwen. Es wird eine längere Geschichte…
Es ziehen immer wieder wilde Löwen auf das Grundstück von Val. Das ist an und für sich nichts Schlechtes, denn er will ja dieses Gebiet wild halten. Und da es Wasserlöcher und auch genügend Futter gibt, fühlen sich die Löwen hier natürlich auch wohl.
Es gibt gute Gründe, weshalb sie überhaupt abgewandert sind von dort, wo sie ursprünglich her kommen… Sie kommen nämlich aus dem KTP, besser gesagt aus der Mabua Area. Diese liegt sehr nahe an Vals Gebiet. Aber leider gibt es dort aus diversen Gründen fast kein Wasser mehr und deshalb auch nicht genügend Futter. Noch dazu gibt es einfach eine Überpopulation an Löwen und ihre Gebiete werden immer kleiner. Der Human-Wildlife-Conflict ist in ganz Afrika (und wie wir wissen ja auch in Europa…) ein grosses Problem.
Wir Menschen nehmen den wilden Tieren überall den Lebensraum weg und das führt zu grossen Konflikten. Diese Löwen finden in ihrem Lebensraum nicht mehr genügend Nahrung und haben dort zum Teil keinen Platz, weil die Gebiete mit Futter bereits von anderen Löwen bewohnt und verteidigt werden.
Deshalb wandern sie ab und kommen den bewohnten Gebieten immer wieder zu nahe. Denn irgendwann entdecken sie dort Kühe, Esel und Pferde und merke, wie einfach diese zu jagen sind und sie werden auch zur Bedrohung für die Menschen.
Dann werden sie entweder von den Menschen getötet, oder die Regierung schaltet sich ein und organisiert eine Umplatzierung der Löwen. Dies geschieht tatsächlich extrem oft. Und leider ist es nur in den seltensten Fällen erfolgreich… Denn wir sind hier wieder beim Anfangs-Problem, es gibt einfach keinen Platz, wo die Löwen hinkönnen… Sie werden in Gebiete gebracht, wo es schon Löwen gibt und dort fängt dann der ganze Konflikt wieder von vorne an… Es ist echt ein Teufelskreis und dieses ganze Dilemma hat mich sehr zum Nachdenken gebracht…
Es ist gut möglich, dass ich diese Geschichte in einen Vortrag einbinde und es Menschen näher bringe, die sich wirklich dafür interessieren. Es ist kein schönes Thema, aber es ist mir lieber, wenn ich darüber erzählen kann und ich auch 1:1 Fragen beantworten kann. Es ist etwas schwierig, dieses komplexe Thema hier auf meinem Blog befriedigend abhandeln zu können. Aber ich wollte dieses Thema trotzdem nicht einfach auslassen, denn ich kam intensiv damit in Berührung und habe dadurch eine Menge dazugelernt.
Nun aber zurück zu der Geschichte, die ich während meiner Zeit auf Modisa erlebt habe. Wie gesagt hatte Val schon immer wilde Löwen in diesem Gebiet. Normalerweise waren sie nicht so ein grosses Problem, er musste nur immer sehr achtsam sein mit Sirga. Denn er wollte natürlich nicht riskieren, dass sie in einen seriösen Kampf mit wilden Löwen gerät.
Aber irgendwann tauchten 2 sehr aggressive Löwinnen auf, die einfach keine Ruhe liessen. Sie sind immer wieder in Sirgas Gehege eingedrungen und wollten sie offensichtlich killen. Und Sirga war zum Teil sehr unruhig und eingeschüchtert. Und Val konnte sie infolge dessen leider auch nicht mehr in ihr grosses Gehege lassen, weil sich die Löwinnen dort drin aufhielten.
Das wäre aber für Val nie ein Grund gewesen, um eine Umplatzierung in die Wege zu leiten. Für ihn ist klar, dass dies ein wildes Gebiet ist und dass diese Löwen das Recht haben, sich hier aufzuhalten.
Nun sind aber leider einige der Löwen tatsächlich in die nahegelegenen Dörfer weitergewandert und haben dort Nutztiere gefressen. Und wenn so etwas passiert, dann schaltet sich die Regierung ein und ordnet eine Umplatzierung an.
Und dies ist nun also genau in dieser Zeit passiert, als ich auf Modisa war! Es war am Anfang nicht ganz klar, ob wir Gäste da mit dabei sein dürfen, denn normalerweise geht das überhaupt nicht, dass man quasi als Tourist an so einem Spektakel mit dabei sein kann.
Dann ging aber doch alles wieder in gewohntem African Way und die ganze Organisation war ziemlich chaotisch und unübersichtlich… Schlussendlich waren der Tierarzt und auch die Leute von der Behörde richtig froh, dass die ganzen Staff-Member und wir Gäste mitgeholfen haben. Denn ansonsten wäre es nur schwer möglich gewesen, die 5 Löwen aufzuspüren und einzufangen.
Es war wirklich eine riesige Sache und hat mehrere Tage gedauert. Ich werde jetzt hier nur mal ein paar Bilder dazu posten. Ich bin daran, ein Video zu erstellen und muss mir zuerst noch klar darüber werden, ob ich es hier posten werde, oder ob ich es nur in meinen Vorträgen zeige. Es würde hier den Rahmen sprengen, wenn ich über die ganze Aktion im Detail berichten möchte, denn es war wirklich sehr intensiv, anstrengend und auch frustrierend und mit vielen Emotionen behaftet.






